Meine Erfahrungen mit Yanmar Simmerringen (Ersatzteilnummer: Yanmar 196440-02871) für den Saildrive SD50 (auch für SD40 anwendbar)

Dieser Beitrag wurde im Palstek 3/2017  ab Seite 110 veröffentlicht.

Im Update in der nächsten Palstek Ausgabe 4/ 2021 wird geprüft, ob sich hier etwas geändert hat

Bei der jährlichen Getriebeölkontrolle wurde eine schmutzig-graue Verfärbung des Getriebeöls festgestellt. Ein sicheres Zeichen für Wasser im Getriebeöl. Somit konnten am Saildrive nur die Simmerringe oder die O-Dichtringe defekt geworden sein.

 

Beim Ausbau zeigte sich schnell der Grund für die Undichtigkeit. Da hat man doch tatsächlich ungeeignete schwarze Nitril Simmerringe eingebaut. Die schwarzen Nitril Simmerringe sind mit einer "normalen" rostenden Stahlfeder versehen, die sich beim Kontakt mit Seewasser auflöst.
Links der innere Simmerring der in Getriebeöl läuft, rechts der Simmerring, der dem Seewasser ausgesetzt war. Von der Stahlfeder sind nur noch Rost-Fragmente übrig.
Die Simmerringe waren nur 2 Jahre im Einsatz und wurden von einer Yanmar Service Werkstatt in Alanya (Türkei) eingebaut.

Somit kann man nur jedem Segler raten sich die Teile vor dem Einbau zeigen zu lassen, oder noch besser, gleich beim Einbau dabei zu sein.

 

 

 

 

 

 

 Also wurden beim Yanmar Fachhändler in Holland, dort war ich in diesem Zeitraum, 2 neue Simmerringe bestellt. Was dann geliefert wurde, war für meinen Qualitätsbegriff nicht akzeptabel.

 

 

 

Wie auf dem nebenstehenden Bild zu sehen ist, (siehe Pfeile), ist der Stützring im Simmerring nicht komplett vom Elastomer umschlossen. Das Problem hier: Der Stützring ist immer aus normalem, rostenden Stahl.

Eine Nachfrage bei der Fa. Freudenberg ergab die Information, dass für diesen Simmerringtyp der Stützrung immer vom Elastomer umschlossen sein muss. Dieser Typ wird für aggressive, auch säurehaltige,  Medien eingesetzt. Ein Simmerring aus dieser Typenreihe mit einem offenen Stützring ist ein absolutes NoGo  für die Fa. Freudenberg.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Einmal in Seewasser getaucht und 6 Stunden in der Sonne liegen lassen. Der freiliegende Stützring fing sofort an zu rosten

 

 In der nachfolgenden Diskussion mit dem Yanmar Ersatzteil Händler und mit Yanmar Europa stellte sich heraus das alle Simmerringe am Lager (Holland und Deutschland) dieses Merkmal hatten. Daher wurde ein Umtausch gegen einen Simmerring ohne dieses Merkmal oder gegen Geld ausgeschlossen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Auf der Suche nach einem qualitativ besserem Industrieprodukt sind dann die Simmerringe der Fa. Dichtomatik, eine Tochter der Freudenberg Gruppe, gefunden worden.

Sie sind von besserer Qualität, gefertigt vom Marktführer und dann noch wesendlich preiswerter als die Original Ersatzteile von Yanmar. Erhältlich in jedem gut sortierten Industriebedarf.

 

 

 

 

 

 

 

 

Darstellung von Marx Marine, Hamburg (entnommen aus dem Palstek 3/2017 Seite 112 (Auszug))

Es wurden in den letzten Jahren zwischen 50 und 64 Simmerringe jährlich verkauft. Das bei einer geschätzten Anzahl von 1000 Saildrives im Zuständigkeitsbereich von Marx Marine geht man von einer zuverlässigen Dichtigkeit über Jahre hinweg aus. Nur durch mechanische Beschädigungen durch Angelschnüre sind Undichtigkeiten bekannt geworden. Gleichzeitigkeit hält man die Yanmar Simmerringe für optimal auf den Anwendungszweck zugeschnitten.

Update 2.2021

„Ein Wort zum Getriebe ÖL“

In der Betriebsanleitung zum SD50 wird auf das Mercury Qucksilver High Performance Gear Oil hingewiesen. Soweit bekannt, wird diesem Öl nicht nur ein exorbitanter Preis, sondern auch sehr gute Wasserbindungs - Eigenschaften zugeschrieben. Beides kann ich bestätigen.

Wenn man die Simmerringe am Propeller des Saildrives zusammen mit dem Unterwasseranstrich immer wechselt, so alle 2-3 Jahre, kann man auf diese Eigenschaften gut verzichten und verwendet SAE 90 GL3 oder GL4 Getriebe ÖL stattdessen. Das kostet nur 10% - 15% des Quicksilver Öl Preises und ist vollkommen ausreichend für die Belastungen im Saildrive.

Auf keinen Fall GL4+ oder GL5 oder noch höher legierte Öle verwenden. Diese sind nicht nur teurer sondern definitiv nicht gut für die Kegelkupplung.

Und nun für die Techniker unter den Seglern:

Ein API GL4 Schmierstoff enthält Additive speziell für Schaltgetriebe. Schaltgetriebe enthalten Buntmetall (Synchronringe). Die Reibung eines GL4 Öls darf nicht zu gering sein, sonst rutscht der Synchronring durch und schalten wird unmöglich. Ist die Reibung zu hoch, wird die Schaltung hakelig und kratzt. Der Kegel in der SD50 Kupplung ist aus Buntmetall. Eine zu geringe Reibung würde die Kupplung leicht durchrutschen lassen.

Auch kein GL4+oder GL4/5 verwenden. Das ist dünnflüssig wie GL5 und enthält nicht so scharfe Additive.

Ein API GL5 Schmierstoff enthält spezielle Additive für höchstbelastete Getriebe, wie z. Bsp. Hypoidgetriebe. Diese Getriebe haben eine Bogenverzahnung. Neben einigen Vorteilen hat diese Art der Verzahnung den Nachteil das die Flächen nicht nur aufeinander abrollen, sondern auch ein wenig gleiten. Das stellt erhöhte Anforderungen an das Material und benötigt eine hohe Gleitfähigkeit des Öls. Die Additive enthalten Schwefel, was wiederum Buntmetalle angreift.

 

Dankenwerterweise hat mir Pascal Bilder von 4 Jahre alten Original Yanmar Simmerringen zukommen lassen. Ich denke, die Bilder sprechen für sich.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 Stand 26.1.21