Simmerringtausch(196440-02871) und Laufflächenerneuerung am Yanmar Saildrive SD50

Je nach Nutzungsdauer sollte das Getriebeöl im Saildrive jährlich kontrolliert und spätestens alle 2 Jahre gewechselt werden. Insbesondere wenn das Öl eine schmutzig-graue Färbung angenommen hat, sind in vielen Fällen  undichte Simmeringe am Propelleranschluß die Ursache.

Ersatzteile:

2x Simmerringe 34x8x52 VITON
2x O-Ring 95mm x 3mm
1x Speedy Sleeve von SKF
Optional neue Opferanoden für den Saildrive

Benötigtes Werkzeug:

 

Kleiner Hammer, Wasserpumpenzange,  Imbus-Schlüsselset (hier 8mm und 4mm) ein Set von Austreibern (1mm und 8mm), alter Spachtel mit Holzgriff und Metallkern, Holzstechbeitel

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Flüssige Dichtmasse, Trennmittel Tikal, Schraubensicherung, seewasserfestes Fett, Messingdrahtbürste, 600er/ 800er Nassschleifpapier.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Pinsel zum Reinigen des Lagerschildes in Waschbenzin. Gummihammer, 50cm HT50 Rohr und HT40 Rohr aus dem Baumarkt, neuwertiger Seitenschneider, Spitzzange

 

 

 

 

 

 

 

Hinweis: Erst die Anleitung komplett lesen, um festzustellen, ob man das handwerkliche Geschick hat,  sich diese Reparatur zuzutrauen.

 

Ölwechsel:

 

 

 

 

Wenn sich nach dem Ölwechsel diese schmutzig graue Brühe in einem durchsichtigen Kanister absetzt, sind die Simmerringe nicht mehr dicht und ein Austausch ist erforderlich.
Manchmal drückt auch das Getriebeöl aus dem Simmerring der Antriebswelle zwischen Motor und SD50 heraus. Der Wasserdruck von unten drückt das Öl dort heraus. Ein sicheres Zeichen für defekte (undichte) Simmerringe am Propeller oder zu hoher Ölstand im SD50.(siehe auch den technischen Bericht "Ölstand im SD50" auf meinen technischen Infoseiten).

 

 

 

 

 

 

 Propeller Mutter, Propeller und Opferanoden entfernen

 

 

An diesem Saildrive ist die Propellermutter durch ein Sicherungsblech gesichert. Blech wie gezeigt zurückbiegen und die Prop-Mutter abschrauben. (Evtl. Wasserpumpenzange benutzen).

Dann den Propeller abziehen. Evtl. mit zwei großen Schraubendrehern zwischen Prop und Opferanode gehen und abwechseln links und rechts Druck auf den Prop ausüben. Meist rutscht er schon von allein von der Antriebsachse.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die 4 Schrauben der Opferanode mit dem Imbus Schlüssel lösen. Opferanode auf Verschleiß prüfen.

Hier ist die Opferanode angefressen und mit Kalkablagerungen belegt und sollte erneuert werden.

Spartipp:  Wenn man diese Opferanode sandstrahlt hat man eine Notreserve an Bord.

 

 

 

 

 

Lagerschild lösen

 

 

 

Nun die beiden Imbus-Schrauben des Lagerschildes lösen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wohl dem der einen Spachtel mit durchgehendem Metallteil hat.

Der Spachtel wird mit leichten Hammerschlägen in den Spalt des Lagerschilds getrieben. Der Spalt wird dabei größer und mit einem etwas dickeren Schraubendreher kann man gefahrlos und ohne Beschädigung das Lagerschild aus dem Antrieb treiben.

 

 

 

 

 

Antriebswelle ausbauen:

 

 

 

 

 

An dieser 10 Jahre alten Antriebswelle kann man gut sehen, dass der äußere Simmerring, (Meerwasserschmierung, roter Pfeil), sich tiefer in die Antriebswelle eingearbeitet hat als der innere Simmerring (gelber Pfeil) , der mit Getriebeöl geschmiert wird.

An der Wassergeschmierten Seite ist die Welle 0,3mm eingefahren, dass bedeutet, dass an dieser Position ein neuer Simmerring nicht lange abdichten wird.

Die Antriebswelle ist im Antrieb und im Lagerschild gelagert. Einfach an der Antriebswelle rütteln und herausziehen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Simmerringe auswechseln

 

Mit einem großen Austreiber den ersten Simmerring austreiben. Dabei darauf achten dass die innere Wandung des Simmerring-Sitzes nicht beschädigt wird. Zwischen den beiden Simmerringen befinden sich (normalerweise) zwei weiße Abstandsringe. Diese bitte nicht wegwerfen, da sie wiederverwendet werden.

Wenn man die Möglichkeit hat das Lagerschild von außen sandstrahlen zu lassen, sollte man dies tun. Der innere Teil (wegen der Lagerschale) muss komplett mit einem Lappen gefüllt und mit Tape verklebt werden.

 

 

 

 

 

 Im Seewasserbereich (blaue Pfeile) haben die Meeresorganismen Kalkablagerungen hinterlassen. Die können mit einem Stechbeitel zuerst abgekratzt werden.

 

 Anschließend, zusammen mit der Sitzfläche für die Simmerringe (gelbe Pfeile) , die Flächen mit 600er Nassschleifpapier anschleifen.

Auf keinen Fall darf der Lagerring (rote Pfeile) beschädigt oder geschliffen werden. Dieser Bereich ist sehr sorgfältig zu schonen. Hier läuft das Lager der Antriebswelle.

 

 

Die alten O-Ringe am Lagerschild außen wegwerfen, auch wenn sie gut aussehen. O-Ringe schrumpfen mit dem Alter. Gefahr der Undichtigkeit an dieser Stelle.

Anschließend in Reinigungsbenzin oder Verdünnung allen Dreck, Schleifstaub, auch der O-Ring Führungen abwaschen. Hier kann der Pinsel helfen.

Für den Einbau der Simmerringe sind die angeschliffenen Flächen (blaue und gelbe Pfeile im oberen Bild) nun gut mit seewasserfestem Fett einzustreichen.

Dann den Simmerring mit der Schlauchfeder nach unten in das Lagerschild einlegen.

 

 

 

 

 

 

 

 

Ein HT50 Rohr hat eine Erweiterungs- und eine Verjüngungs-Seite. Es ist von Vorteil, wenn man jemanden mit einer Drehbank an der Hand hat und ihn bittet die Verjüngung abzudrehen.

Das HT50 Rohr gerade in das Lagerschild einführen und mit leichten Gummihammerschlägen den ersten Simmerring in den Sitz "einklopfen".

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Dann die beiden weißen Abstandsringe einlegen und den zweiten Simmerring mit der Schlauchfeder nach oben einsetzen.

Wieder mit dem HT50 Rohr und dem Gummihammer den Simmerring in das Lagerschild "einklopfen".

Somit haben jetzt die beiden Simmerringe den gleichen Abstand wie vorher, sie laufen somit an der gleichen Stelle der Antriebswelle.

 

 

 

 

Lauffläche erneuern mittels Speedy Sleeve

 

 

 

Da der äußere Simmering auf der eingefahrenen Welle nicht lange dicht halten wird, wird mittels eines Speedy Sleeve eine neue Lauffläche für den Simmerring auf der Antriebsachse hergestellt. Diese Lauffläche besteht aus einem speziellen, korrosionsfreien Stahl mit einer idealen Rauhigkeit für den Simmerring.

Für die Antriebswelle vom SD 50 ist ein passender Speedy Sleeve von SKF verfügbar.

Der wird, wie gezeigt, auf die Antriebswelle aufgesteckt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Mit dem HT40 Rohr und dem Gummihammer wird der Sleeve mittig über die eingelaufene Stelle auf der Antriebswelle "geklopft".

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Mit einem Seitenschneider den Kragen einschneiden.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Dann mit einer Spitzzange den Kragen abwickeln.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Anschließend mit einem schmalen Streifen Schmirgelleinen die hintere Kante "entschärfen", da hier der innere Simmerring beim Einbau darüber rutschen muss.
Nicht die Fläche des Sleeves schmirgeln. Denn die ist herstellerseitig mit der idealen Rauhigkeit für den Simmerring hergestellt.

Anschließend die Antriebswelle in Waschbenzin gründlich reinigen. Mit dem Pinsel geht es einfacher.

 

 

 

 

 

 

 

Antriebswelle und Lagerschild einbauen

 

Die gründlich gereinigte Antriebswelle wieder in den Antrieb einsetzen und die Laufflächen der Simmerringe gründlich einfetten.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Simmerringe um die Dichtlippe mit Seewasserfett satt einstreichen, aber nicht füllen.
Den Zwischenraum zwischen den Simmerringen an zwei Stellen mit Fett überbrücken (nicht komplett füllen, nur eine Fettbrücke anlegen)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Nuten für die O-Ringe mit der flüssigen Dichtung einstreichen. Ebenso die O-Ringe. O-Ringe in die Nuten einsetzen und überschüssige Dichtmasse verteilen.

 

Lagerschild vorsichtig über die Antriebswelle in den Antrieb schieben. Etwas Links/rechts drehen damit die Simmerringe im Lagerschild weich auf und über den Sleeve rutschen.

Ebenso verfahren, damit die O-Ringe mit in den Antrieb rutschen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die V4A Schrauben vom Lagerschild und Opferanode sitzen in einem Aluminiumteil. Diese bilden zusammen mit Seewasser ein galvanisches Element. Der weiße Belag ist mit der Drahtbürste zu entfernen und die Schrauben sind vor dem wiedereinsetzen mit Tikal einzustreichen. Der Schraubenteil, der in den Antrieb geschraubt wird, freilassen damit die Schraubensicherung aufgetragen werden kann.

 

 

 

 

 

 

 

Die Schrauben für das Lagerschild mit Schraubensicherung bestreichen und einschrauben.

 

 

 

 

 

 

 

Druckring, Opferanode und Prop montieren

 

 

 

 

Nach dem Einbau des Lagerschildes einen Fettvorrat zwischen Lagerschild, Welle und Druckring anlegen. Auf diesen Druckring wirkt der Propeller und der Druckring wirkt auf die Schräge der Antriebswelle (Pfleil). Dann setzt sich der Druckring nicht fest.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Dann die Opferanode ansetzen und anschrauben. Tikal an den Schrauben nicht vergessen.

Die Opferanode ist jetzt leitend mit dem Aluminiumantrieb verbunden und wird im Meerwasser ihren Dienst tun.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Antrieb und Lagerschild werden vor dem Bewuchsschutzanstrich natürlich mit entsprechenden Schutzanstrichen versehen. Ausgenommen die Opferanode, die bleibt immer blank.

Dann die Nuten der Antriebswelle fetten, den Prop, das Sicherungsblech, die Mutter montieren und das Sicherungsblech umbiegen dass sich die Propmutter nicht löst.
Fertig!

 

 

 

 

 

Alternative zum Einsatz eines Speedy Sleeve

 

Auf der Antriebswelle ist noch genügend Platz.

Wenn man die Simmerringe um 2mm verschieben würde, hätte man wieder eine "neue " Lauffläche für die Simmerringe zur Verfügung.

Diese hält dann wieder für weitere 10Jahre.

Wie schon im ersten Teil der Anleitung vermerkt, ist es von Vorteil jemanden an der Hand zu haben, der die Verjüngung des HT50 Rohr an einer Drehbank abdreht.
Für einen Dreher ist es ein Leichtes, einen 2mm Ring vom HT Rohr  abzustechen.

Ein Ring aus PVC rostet nicht und ist auch ohne Probleme seewasserbeständig.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ein solcher Ring passt ganz prima als Abstandshalter für den Simmerring.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der 2mm PVC Ring wird als erstes eingelegt, dann folgen der Simmerring mit der Schlauchfeder nach unten, die beiden weißen Abstandsringe und dann der zweite Simmerring mit der Schlauchfeder nach oben. Alles wie in der Anleitung weiter oben beschrieben.

Der weitere Zusammenbau geht ebenfalls wie in der Anleitung oben schon beschrieben.

Somit laufen jetzt die Simmerringe jetzt 2mm hinter  der alten Lauffläche.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Hinweis: Wie schon in der Anleitung erwähnt, kann eine Opferanode auch sandgestrahlt werden um sie von Kalk und Bewuchs zu befreien.

 

 

 

 

 

 

Die Oberfläche ist groß genug um ihre Wirkung zu entfalten.

Diese habe ich nun als Reserve dabei.

 

 

 

 

 

 

Dieser Beitrag wurde im Palstek 3-2017 veröffendlicht.

Haftungsausschluss:
Diese Anleitung wurde nach bestem Wissen und Gewissen an Hand einer, von mir selbst durchgeführten Reparatur, verschriftlicht.
Die Anleitung wurde sorgfältig von mir erstellt und geprüft. Es wird keine Haftung für die Anwendung dieser Anleitung oder für Beschädigungen, die durch diese Anleitung entstehen, übernommen. 

 Copyright :

Jochen Brickwede

  Hinweis: Bezugquellen für die Ersatzteile, (keine Yanmar Originalteile, sondern deutsche Industriequalität), kann bei mir angefragt werden.

 Kommentare, Anfragen und Hinweise via  Mail sind immer willkommen.