SD40 / SD50 Saildrive drucklos umbauen

 Erschienen im Palstek 1-2022

Yanmar hat im Jahre 2009 den maximalen Ölstand auf die Low Markierung des damals verfügbaren Ölstabes heruntergesetzt. Durch die Erwärmung im Betrieb des SD40/SD50 baut sich im Getriebe ein Druck auf. Dieser Druck könnte über den Antriebswellendichtring (zum Motor) entweichen. Dabei kann Getriebeöl mit austreten.  Bei der anschließenden Abkühlung könnte ein Unterdruck im SD40/ SD50 entstehen, welcher Wasser am Propellerdichtring ansaugen könnte.
Durch die Änderung am Ölstand und der damit verbundenen Vergrößerung des Verhältnisses von Luft zu Ölstand im SD40/SD50 sind die Druckverhältnisse günstiger und das Risiko einer Wasser -in-Öl Leckage geringer.

Was wäre denn, wenn das Saildrive im Betrieb drucklos gehalten werden kann, kein Öl am Motor-Simmerring austritt und der Ölstand trotzdem auf „Maximal“ Pegel stehen könnte?

Mit der nachfolgenden Anleitung wird das SD40/ SD50 Saildrive so umgebaut, dass es im Betrieb drucklos bleibt.

Teile Liste:

 

 

 1: 8mm PVC-Schlauch, 1m bis 2mlang (Baumarkt oder Ersatzteilkiste an Bord).
2: Niro Schlauchschelle für 8mm Schlauch (Baumarkt oder Ersatzteilkiste an Bord).
3: Kugelschwämmchen für 8mm Schläuche (Service Kit)
4: Schlauchtülle M10x1,5-8mm (Service Kit)
5: Teflonband (Baumarkt oder Ersatzteilkiste an Bord).
6: 5x Kabelbinder verschiedene Längen (Baumarkt oder Ersatzteilkiste an Bord).

Die Teile 3 und 4 sind evtl. im Einzelverkauf schwierig zu bekommen. 

Einfach die Bestellliste laden, die gewünschten Teile ankreuzen und die Datei mir zusenden. (Info: Die Datei läßt sich im Acrobat Reader direkt bearbeiten, im Windows Edge geht es nicht.)

Oder mir eine Mail schreiben

.

 

 

 

 

 

Die Teile 3 und 4 können von mir bezogen werden (18€ incl. Versand). Einfach eine Mail schreiben. Alles andere bekommt man im Baumarkt.

 

Noch ein Tipp. Im Saildrive Handbuch wird der Ölwechsel
im Wasser in Kapitel 6.2.1. beschrieben. Die Schlauchtülle kann auch am Ölauslass eingeschraubt werden.

SD50 Drucklos Service Kit mit 2 Schlauchtüllen 25€ incl. Versand. 

 

 

 

 

 

 

 Kommentare, Anfragen und Hinweise via  Mail sind immer willkommen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


 

Links: An dem oberen Kupplungsdeckel wird die markierte Schraube entfernt.
Rechts: Die 8mm Schlauchtülle wird mit etwas Teflonband eingeschraubt und gedichtet

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Links: Der 8mm Schlauch wird auf die Schlauchtülle gesteckt und mit der Schlauchschelle befestigt. Klarer Weich-PVC-Schlauch ist überwiegend ölfest und man kann sehen, ob Öl austritt. Ein paar cm Öl in der Leitung ist kein Problem.

Mitte: Der Schlauch mit den Kabelbindern in einem weitem Bogen an anderen Teilen im Motorraumnach oben geführt.

Rechts: Am Schlauchende wird ein kleiner Schaumgummiball in den Schlauch gesteckt, um Staub und Insekten den Zutritt zu verwehren.

Bei Erwärmung kann nun der Druck entweichen. Selbst kleine Mengen Öl kann der Schlauch ausgleichen. 1m Schlauch mit 8mm Innendurchmesser nimmt 50ml Öl auf.

 

Ein Wort zum Ölstand im SD50:
Sie haben schon einmal Spuren von Getriebe Öl auf dem Dichtungsflansch des Saildrive entdeckt? Das könnte auf einen falschen Ölstand im SD50 hinweisen.

Sie wechseln das Öl selbst im Rahmen der jährlichen Wartung und folgen den Anweisungen Ihrer Betriebsanleitung?

Sie lassen den Ölwechsel in einer Yanmar Service Werkstatt machen? Aber auch die Service Werkstätten lesen nicht alle die Yanmar Technical Bulletin.

In dem Yanmar Technical Bulletin MSA 09-017(vom 16.9.2009) wird der Ölstand im SD50 neu definiert.
Schauen Sie also nach ob in Ihrem SD50 ein langer oder kurzer Ölmessstab verbaut ist, und befüllen Sie den SD50 nur bis zur Low Markierung beim kurzen Ölmessstab oder bis zur Full - Markierung des langen Ölmessstabs.

Ein neuer Ölmessstab kann unter der Ersatzteilnummer 196450-02350 beim Yanmar Service bestellt werden.

 

 

 

Noch ein Hinweis:  Der neue lange Ölmessstab hat einen schwarzen Punkt auf dem Deckel.

 

 

 

 

 

Begründung von Yanmar: Durch die Erwärmung im Betrieb des SD50 baut sich im Getriebe ein Druck auf. Dieser Druck könnte über den Antriebswellendichtring (zum Motor) entweichen. Dabei kann Öl mit austreten.  Bei der anschließenden Abkühlung könnte ein Unterdruck im SD50 entstehen, welcher Wasser am Propellerdichtring ansaugen könnte.

Durch die Vergrößerung des Verhältnisses von Luft zu Ölstand im SD50 sind die Druckverhältnisse günstiger und das Risiko einer Wasser-Leckage geringer. Mit der oben gezeigten Umbauanleitung und dem Service Kit können Sie den Ölstand im SD50 wieder auf MAX setzen und ein Ölaustritt aufgrund eines Druckaufbau im Saildrive findet nicht mehr statt.

 

Noch ein Wort zum Getriebe Öl

In der Betriebsanleitung zum SD50 wird auf das Mercury Qucksilver High Performance Gear Oil hingewiesen. Soweit bekannt, wird diesem Öl nicht nur ein exorbitanter Preis, sondern auch sehr gute Wasserbindungs - Eigenschaften zugeschrieben. Beides kann ich bestätigen.

Wenn man die Simmerringe am Propeller des Saildrives zusammen mit dem Unterwasseranstrich immer wechselt, so alle 2-3 Jahre, kann man auf diese Eigenschaften gut verzichten und verwendet SAE 90 GL3 oder GL4 Getriebe ÖL stattdessen. Das kostet nur 10% - 15% des Quicksilver Öl Preises und ist vollkommen ausreichend für die Belastungen im Saildrive.

Auf keinen Fall GL4+ oder GL5 oder noch höher legierte Öle verwenden. Diese sind nicht nur teurer, sondern definitiv nicht gut für die Kegelkupplung.

Und nun für die Techniker unter den Seglern:

Ein API GL4 Schmierstoff enthält Additive speziell für Schaltgetriebe. Schaltgetriebe enthalten Buntmetall (Synchronringe). Die Reibung eines GL4 Öls darf nicht zu gering sein, sonst rutscht der Synchronring durch und schalten wird unmöglich. Ist die Reibung zu hoch, wird die Schaltung hakelig und kratzt. Der Kegel in der SD50 Kupplung ist aus Buntmetall. Eine zu geringe Reibung würde die Kupplung leicht durchrutschen lassen.

Auch kein GL4+oder GL4/5 verwenden. Das ist dünnflüssig wie GL5 und enthält nicht so scharfe Additive.

Ein API GL5 Schmierstoff enthält spezielle Additive für höchstbelastete Getriebe, wie z. Bsp. Hypoidgetriebe. Diese Getriebe haben eine Bogenverzahnung. Neben einigen Vorteilen hat diese Art der Verzahnung den Nachteil das die Flächen nicht nur aufeinander abrollen, sondern auch ein wenig gleiten. Das stellt erhöhte Anforderungen an das Material und benötigt eine hohe Gleitfähigkeit des Öls. Die Additive enthalten Schwefel, was wiederum Buntmetalle angreift.

 

Gang rein oder Getriebeleerlauf beim Segeln?

Im Internet kursieren die wildesten Gründe warum der Gang eingelegt oder das Getriebe im Leerlauf mitlaufen sollte. In bestimmten Fällen stimme ich der Yanmar Anweisung zu. Bei einem Festpropeller muss das Getriebe im Leerlauf mitlaufen. Bei einem Faltpropeller muss man prüfen, ob ein eingefalteter Propeller Schwingungen auf die Getriebekupplung überträgt.

Begründung: Ist beim Segeln der Gang eingelegt umströmt das Wasser verwirbelnd die Schiffsschraube und erzeugt Schwingungen. Die Schwingungen übertragen sich auf den Kupplungskegel, der in der Kupplungsglocke sitzt. Diese Schwingungen erzeugen kleine Bewegungen, die die Kupplungsglocke polieren und führt dazu, dass die Kupplung nicht mehr greift. Eine rutschende Kupplung ist die Folge.

Fake Argument: „Nicht richtig geschmiert“. In Internet wird behauptet, dass das Saildrive nicht richtig geschmiert würde, wenn es in neutral Stellung beim Segeln mitlaufen würde. Im Benutzerhandbuch des Saildrive SD50 wird in Kapitel 2 „Technische Spezifikation“ unter Schmiersystem „Ölbad Typ“ genannt. Bei diesem Typ sind alle beweglichen Teile immer von Öl umflossen. Eine Pumpe ist nicht notwendig. Somit ist dieses Argument falsch.

Fake Argument: „Hohe Abnutzung“. Was soll sich abnutzen, wenn der Wasserstrom den Propeller und das Getriebe bis zur Kupplung antreibt? Die Kraft ist viel zu gering, um eine Abnutzung zu erzeugen.

 

 Kommentare, Anfragen und Hinweise via  Mail sind immer willkommen. 

Haftungsausschluss:
Diese Anleitung wurde nach bestem Wissen und Gewissen anhand einem von mir selbst durchgeführten Reparatur/ Wartung durchgeführt und verschriftlicht.
Die Anleitung wurde sorgfältig von mir erstellt und geprüft. Es wird keine Haftung für die Anwendung dieser Anleitung oder für Beschädigungen, die durch diese Anleitung entstehen, übernommen. 

Copyright:

Jochen Brickwede im Dezember 2021